Sie sind nicht angemeldet.

Wie entstehen Angsterkrankungen?

Von Hypnosefachpraxis Jena, Sonntag, 26. Juli 2015, 13:37

Lernverhalten

Man geht bei der Entstehung von einem sogenannten Vulnerabilitäts-Stress-Coping-Modell aus. Das heißt jeder Mensch reagiert anders
auf bedrohliche Reize, besitzt also eine individuelle "Verwundbarkeit" (Vulnerabilität) gegenüber Stress. Der Ausmaß dieses Stresses ist ebenso entscheidend für die Entstehung von Ängsten, am Schluss steht das sogenannte Coping, also die individuellen Bewältigungsstrategien.
Je mehr Strategien vorhanden sind, desto mehr Stress wird toleriert oder wie Epiktet (griech. Philosoph) sagte: "Nicht die Dinge an sich beunruhigen den Menschen, sondern seine Sicht der Dinge."

Insgesamt wird Angst vom Menschen gelernt, seit früher Kindheit übernehmen wir, da man als Kind sich auf die Kenntnisse unserer
Eltern verlassen musste, die Warnsignale derer um uns gefahrlos in der Welt bewegen zu können. Wenn also die Mutter uns belehrte, dass man
nicht so nah an den großen Nachbarshund gehen sollte, lernten wir, dass dieses Tier eine Gefahr darstellen kann.
Wenn man nun den Stressfaktor erhöht und beispielsweise wir als Kind gebissen worden und das Ganze am Ende von unseren äußeren Umgebung noch verstärkt wurde, wird die Angst vor großen Hunden eine ganz andere sein als durch die Lehrstunde der Mutter.
Wird nun beispielsweise die Situation noch verschlimmert: das Kind ist allein mit einem Spielkameraden in einiger Entfernung von Bezugspersonen.Ein plötzlich auf die Kinder loslaufender Hund verletzt den Spielkameraden sehr schwer und droht auch auf das Kind selbst loszugehen, was aber in letzter Sekunde noch verhindert werden kann. Die Emotionen, welches das Kind in diesem Moment durchlebt sind massiv - Todesangst, Ohnmacht, Hilflosigkeit. Das Gehirn verknüpft nun diese Gefühle mit dem Auslöser "Hund" und kombiniert.

Der Grundstein für eine Phobie ist gelegt, auf der Basis der sogenannten klassischen Konditionierung: ein an sich neutraler Reiz ( Anblick eines Hundes ) wird mit, in diesem Beispiel negativen, Emotionen bzw. Reaktionen gekoppelt ( Pawlow'scher Hundeversuch).

Diese Phobie wird in der Regel durch das folgende Vermeidungsverhalten aufrecht erhalten. Der Betroffene erlebt fortan die Meidung von Begegnungen mit Hunden als angenehm, da die Angst nicht auftritt. Jedoch kann er auf diese Art und Weise nie die Erfahrung machen, dass die Situation von damals nicht auf alle Hunde zutrifft und wird seine Überzeugung, dass Hunde sehr gefährlich sind beibehalten.

Dieses Verhalten bezeichnet man als operante Konditionierung, ein Verhalten wird durch Belohnung (Nachlassen der Angst durch Vermeidung) gefördert und dadurch wiederholt, weil Belohnungen ja angenehm sind. Bei Bestrafungen greift dieses Prinzip auch und führt aller Wahrscheinlichkeit nach zum Unterlassen der Handlung.

Ein wichtiger Mechanismus ist hierbei die "Übergeneralisierung", "ein Hund hat mich angegriffen --> alle Hunde sind gefährlich, bzw. alle Tiere sind gefährlich" oder "Mein Ex-Mann hat mich betrogen --> alle Männer sind Schweine."

Unser Gehirn arbeitet sehr effektiv und statt jede ähnliche Situation erst erleben und überprüfen zu müssen nimmt es ein Erlebnis dieser Art, vorzugsweise jenes mit den stärksten Emotionen und verallgemeinert das Ganze auf alle Ereignisse dieser Art. Häufig ist das sehr nützlich, führt aber auch sehr gern zu Vorurteilen und Glaubenssätzen.


Der Angstkreis

Der Angstkreis beschreibt die Annahme des Zusammenspiels zwischen psychischen und körperlichen Faktoren bei Ängsten. Am Anfang steht ein Auslöser, das kann eine angstbesetzte Situation oder ein Objekt sein, welche /welches wahrgenommen und als Gefahr interpretiert wird. Dies führt allgemein zum Gefühl der Angst. Da Angst immer auch körperliche Komponenten beinhaltet, treten diese nun auf und werden als solche bemerkt und wiederum als Warnsignale gedeutet, was Stück für Stück die Angst in einem Teufelskreis nach oben schraubt.


Veranlagung

Die Neurowissenschaften gehen davon aus, dass unsere biologischen Veranlagungen eine große Rolle bei der individuellen Stresstoleranz spielen.
Vor allem das limbische System, also der älteste Teil unseres Gehirnes, welches für emotionale Prozesse und Grundtriebe verantwortlich ist, spielt bei der Entstehung von Angst- und Panikstörungen eine große Rolle.
Bei der Entstehung von Panikstörungen kommen den neurobiologischen Faktoren die größte Bedeutung hinzu, so können Panikattacken auch chemisch provoziert werden.

Liegt eine Störung in den Neurotransmittern (chem. Botenstoffe im Nervensystem) vor, so werden Angsterkrankungen begünstigt. Relevant sind vor allem der hemmende Botenstoff GABA (Gamma-Aminobuttersäure) durch seine angstsenkende Wirkung, sowie Serotonin, Noradrenalin und Dopamin. Daher ist es möglich mit Medikamenten, die die Konzentration von Serotonin in den Synapsen (Schaltstellen zwischen den Nervenzellen) erhöhen, eine Angsterkrankung zu behandeln.

Wichtig ist zu sagen, dass durch eine Veranlagung in diesem Bereich jedoch niemandem eine Angsterkrankung vorbestimmt ist, bzw. der Betroffene machtlos demgegenüber ist. Die biologische Vulnerabilität stellt bei der Entstehung von Ängsten nur einen Teil des Komplexes dar. Wir sind also keineswegs Opfer unserer Erbanlagen.


- Copyright Hypnosefachpraxis Jena-

Weitere Informationen erhalten Sie von:


Hypnosefachpraxis Jena
Sophienstraße 48
07743 Jena
Telefon: 01577-321 34 97
E-Mail: info@hypnosefachpraxis-jena.de
http://www.hypnosefachpraxis-jena.de

Dieser Artikel wurde bereits 1 420 mal gelesen.

Kategorien: Presseinformation


Kommentare (7)

Kommentar hinzufügen

Bitte geben Sie die untenstehenden Zeichen ohne Leerstellen in das leere Feld ein. Groß- und Kleinschreibung müssen nicht beachtet werden. Sollten Sie das Bild auch nach mehrfachem Neuladen nicht entziffern können, wenden Sie sich an den Administrator dieser Seite.


Blog Navigation

Vorheriger Artikel

Was ist Hypnose? Häufig gestellte Fragen

Von Hypnosefachpraxis Jena (Sonntag, 26. Juli 2015, 13:16)